Mit einem einfachen Holzfloß will der norwegische Naturkundler Thor Heyerdahl eines der großen Geheimnisse der Völkerwanderungen lösen: Wie haben Menschen einst die abgelegenen Archipele Polynesiens besiedelt? Im April 1947 wagt sich der 32-Jährige gemeinsam mit fünf Gefährten auf dem fragilen Gefährt von Peru aus auf den offenen Ozean. Damit beginnt eine gefahrvolle Reise ins Ungewisse. Denn zwischen dem Forscher und seinem Ziel erstreckt sich eine 7000 Kilometer weite Wasserwelt

 
Es dauert nur Minuten, dann hat sich der Stille Ozean rund um die „Kon-Tiki“ in einen stürmischen verwandelt. Sieben Meter hohe Wogen wälzen sich jetzt unter der „Kon-Tiki“ hindurch. Sie heben deren Heck steil empor, rollen unter der Floßmitte durch und wuchten dann den Bug hoch, während achtern die Stämme ins Meer ragen. Oft steht der Steuermann am Heck bis zum Bauch im Wasser. Für einen Moment scheint das Floß auf der Stelle zu verharren, doch sofort rinnt das Salzwasser zwischen den Stämmen ab. Stets schnellt die „Kon-Tiki“ wie ein Korken wieder aus den Wellen und wird ein Stück weiter vorangetragen. An Deck tasten sich die Männer im Unwetter vorwärts, krallen sich ins Holz. Gehen in die Knie, um die Bewegungen des Floßes auszugleichen. Schließlich knickt das Steuerruder ab, und eine Böe zerfetzt das Segel.

Es ist der 21. Juli 1947. Seit sieben Wochen segelt die Crew über den Pazifik. Auf einem Floß, gebaut nach uralter südamerikanischer Tradition, wollen Thor Heyerdahl und fünf weitere Besatzungsmitglieder den etwa 7000 Kilometer langen Seeweg von Peru zum polynesischen Tuamotu-Archipel bewältigen; doch wo genau sie landen werden, wissen die Männer nicht. Die Reise soll eines der großen Geheimnisse der Völkerwanderungen lösen: Woher stammen die Polynesier?

Kein Inselreich liegt so weit von allen Kontinenten entfernt wie die polynesischen Eilande: weit über 1000 Landsplitter, verstreut in einer Wasserwelt, die viermal so groß ist wie Europa. Seit Jahrtausenden leben Menschen auf den weit abgelegenen Inseln. Die meisten Gelehrten vermuten um 1940, dass sie aus Asien stammen. Aber niemand vermag zu erklären, wie sie nach Polynesien gelangt sein könnten. Heyerdahl hingegen glaubt, dass Ureinwohner aus Südamerika um 500 n. Chr. das ferne Inselreich erobert haben – mit Flößen, gefertigt aus dem leichten Balsaholz. Seine These ist so gewagt, dass keiner sie unterstützt: Niemals, so die einhellige Meinung der Forscher, habe ein Floß von Südamerika aus eine Südseeküste erreicht.

Doch für Heyerdahl klingt diese Erklärung so einleuchtend, dass er sie beweisen will. Niemand hat der Crew zugetraut, dass sie es mit der „Kon-Tiki“ (benannt nach einem indianischen Sonnengott) überhaupt bis aufs offene Meer schaffen würde. Denn deren Plattform besteht aus gerade mal neun Balsaholzstämmen, miteinander vertäut durch Sisalleinen und Querbalken. Keine Bordwand schützt die Besatzung vor dem Seegang; Schutz vor den Elementen bietet einzig eine Hütte aus Bambusrohren. Erfahrene Seeleute haben Heyerdahl zudem gewarnt: Das Holz werde sich allmählich mit Wasser vollsaugen. Und dann werde das Floß versinken.

Die Geschichte der „Kon-Tiki“ beginnt zehn Jahre zuvor auf der polynesischen Insel Fatu Hiva: mit einer sonderbaren Entdeckung ...

 

... die ganze Geschichte in GEOkompakt Nr. 22

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