Foto: Jan Windzus

 

Dirk Liesemer arbeitet von München aus als Journalist und Buchautor. Er schreibt über Geschichte, Natur und Gesellschaft. Bei der Themensuche geht er absichtlich alles andere als zielgerichtet vor: Er schweift umher, bis er über etwas Unerwartetes und auf den ersten Blick eher Nebensächliches stolpert. Seine Texte sind in zahlreichen Publikationen erschienen, darunter mare, GEO, P.M. History, im Reportageressort des Focus, im Feuilleton der F.A.Z., in SPIEGEL Geschichte und Free Men's World.

2016 kam im mareverlag sein »Lexikon der Phantominseln« heraus, das ins Chinesische und Englisch übersetzt wurde. Es handelt davon, wie sehr wir Menschen unser Weltbild verteidigen, selbst wenn es fehlerhaft ist. Spannender als eine Entdeckung ist deshalb die Entlarvung eines weithin akzeptierten Trugschlusses.

2018 erschien sein zweites Buch: In der »Aufstand der Matrosen« werden die entscheidenden zwei Wochen der Novemberrevolution aus zahlreichen Perspektiven geschildert. Es geht um Menschen wie Lothar Popp, Karl Artelt und Carl Richard Linke, die hierzulande jahrzehntelang zu Unrecht als Verräter galten.

Anfang April 2020 wird das Reportagebuch »Streifzüge durch die Nacht« veröffentlicht: Ein Jahr lang machte sich der Autor immer wieder auf, um die Dunkelheit zu erkunden. Er erkundete mit einer Malerin die Farben der Leipziger Nacht, begleitete einen Klangkünstler durch das schlafende Zürich und bestieg mit einer »Erinnererin« einen verschneiten Berg im Allgäu. Was er auf seinen Touren lernte: Die Nacht ist viel facettenreicher und sinnlicher als man denken könnte.

Aktuell arbeitet Dirk Liesemer für den mareverlag an einem historischen Roman, der im 19. Jahrhundert in Süditalien spielt.

Geboren 1977, aufgewachsen in Feldrom, einem Dorf in Lippe, Nordrhein-Westfalen, Vater Seefahrer (>> Text lesen) und Antiquitätenhändler, Mutter Künstlerin. Jugend auf dem Bolzplatz, an Kletterfelsen und vor dem Kassettenspieler verbracht - bis heute liebt er Musik, derzeit Hindi Zahra, Soha, Beata Söderberg. Erst Waldorfschule, später Grabbe-Gymnasium in Detmold, unvergessene Nächte auf Funk-Konzerten in der Alten Pauline. Ein Jahr in Australien; Zivildienst in einer allgemeinpsychiatrischen Akutaufnahme in Münster.

Er hat Politik, Philosophie und Öffentliches Recht in Münster und ein Erasmusjahr lang in Rennes (Frankreich) studiert. Erste, tapsige Zeitungspraktika in Bremen, im Wendland und in Berlin. Dann Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg mit einem Abstecher nach Dresden zur Sächsischen Zeitung, anschließend unter anderem Redakteur beim Freitag in Berlin und beim Magazin natur in München, redaktionelle Mitarbeit auch bei Gehirn und Geist, P.M. History und G/Geschichte. Ferner konzeptionelle und redaktionelle Mitarbeit an den beiden Ausgaben des Magazins SPIEGEL Expedition.

Zuvor, dazwischen, seither und überhaupt die meiste Zeit und am allerliebsten freier Autor, davon gut zwei Jahre aus Leipzig.

Zu Recherchen war er in Tunesien, Weißrussland und Kenia, im Kosovo, in der Ukraine, in Georgien und Italien, ferner ist er für eine Reportage per Anhalter über dem Balkan gereist: Kroatien, Bosnien, Montenegro (>> Text lesen). Darüber hinaus hat er für den Verein journalists.network ehrenamtlich drei Recherchereisen durchgeführt: zuerst nach Sibirien, dann kreuz und quer durch Ruanda, zuletzt nach Ghana. Des Weiteren eine aufwändige Koordination mit Budgetverantwortung von Recherchefahrten nach Nigeria, Senegal und Südafrika.

Reisebuchpreis (»Lexikon der Phantominseln«, mareverlag) und Matheon-Preis für Mathematikjournalismus (»Das Orakel von London«, ZEIT Wissen Magazin), ferner: Nominierung Deutscher Reporterpreis (»Attackiert das Imperium«, mare), Shortlist Henri-Nannen-Preis (»Sommer 41«, F.A.Z.) sowie Selected Contributions des European Journalism Prize Writing for CEE (»Nordstadt«, F.A.Z).

Die Geschichte, die ihn besonders berührt hat: Siebzig Jahre nach dem Überfall der Wehrmacht auf die UdSSR folgte er 2011 den Spuren eines Panzersoldaten durch die Ukraine. Er orientierte sich an dessen Tagebuch und traf vielerorts noch Menschen, die sich an jenen Sommer 41 (>>Text lesen) erinnern konnten und oft zum ersten Mal überhaupt davon erzählten. Niemand hatte sie bis dahin gefragt.

Was er zuletzt gern gelesen hat: Kamel Daoud (Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung), Mercè Rodoreda (Der Garten über dem Meer), Wolfgang Büscher (Berlin - Moskau), Petri Tamminen (Meeresroman), György Konrád (Melinda und Dragoman), Christoph Ransmayr (Die letzte Welt), Guy de Maupassant (Auf See).