Dirk Liesemer arbeitet von München aus als Journalist und Buchautor. Er schreibt über Geschichte, Natur und Gesellschaft. Bei der Themensuche geht er alles andere als zielgerichtet vor: Er schweift umher, bis er über etwas Unerwartetes und auf den ersten Blick eher Nebensächliches stolpert. Seine Texte erscheinen in zahlreichen Magazinen, darunter mare.

2016 kam sein »Lexikon der Phantominseln« heraus, das bald auch in Taiwan, China und England erscheint. Seit August 2018 liegt sein zweites Buch vor: In der »Aufstand der Matrosen« werden die entscheidenden zwei Wochen der Novemberrevolution aus Dutzenden von Perspektiven geschildert, von Konrad Adenauer über Lothar Popp bis Käthe Kollwitz, von Joachim Ringelnatz über Rosa Luxemburg bis zum stets verblüffend gut informierten Harry Graf Kessler.

Aktuell arbeitet er an einem historischen Roman, der im 19. Jahrhundert in Süditalien spielt. Und an einem Reportagebuch in der Tradition des Nature Writing.

Geboren 1977, aufgewachsen in Feldrom, einem Dorf in Lippe, Nordrhein-Westfalen, Vater Seefahrer (>> Text lesen) und Antiquitätenhändler, Mutter Künstlerin. Jugend auf dem Bolzplatz, an Kletterfelsen und vor dem Kassettenspieler verbracht. Erst Waldorfschule, später ein humanistisch-künstlerisches Gymnasium in Detmold besucht, unvergessene Nächte auf Funk-Konzerten in der Alten Pauline. Ein Jahr in Australien, Zivildienst auf einer allgemeinpsychiatrischen Akutaufnahme in Münster.

Er hat Politk, Philosophie und Öffentliches Recht in Münster und Rennes studiert. Erste, tapsige Zeitungspraktika in Bremen, im Wendland und in Berlin. Dann Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg, anschließend unter anderem Redakteur beim Freitag in Berlin und beim Magazin natur in München. Konzeptionelle Mitarbeit am Magazin SPIEGEL Expedition.

Zuvor, dazwischen, seither und überhaupt die meiste Zeit und am allerliebsten freier Autor, davon gut zwei Jahre aus Leipzig.

Zu Recherchen war er in Tunesien, Weißrussland und Kenia, im Kosovo, in der Ukraine, in Georgien und Italien, ferner ist er für eine Reportage per Anhalter über dem Balkan gereist: Kroatien, Bosnien, Montenegro (>> Text lesen). Darüber hinaus hat er für den Verein journalists.network ehrenamtlich drei Recherchereisen durchgeführt: zuerst nach Sibirien, dann kreuz und quer durch Ruanda, zuletzt nach Ghana.

Zwei Arbeiten wurden mit Preisen bedacht, ferner: Nominierung Deutscher Reporterpreis, Shortlist Henri-Nannen-Preis sowie Selected Contributions des European Journalism Prize Writing for CEE.

Die Geschichte, die ihn besonders berührt hat: Siebzig Jahre nach dem Überfall der Wehrmacht auf die UdSSR folgte er 2011 den Spuren eines Panzersoldaten durch die Ukraine. Er orientierte sich an dessen Tagebuch und traf vielerorts noch Menschen, die sich an jenen Sommer 41 (>>Text lesen) erinnern konnten und oft zum ersten Mal überhaupt davon erzählten. Niemand hatte sie bis dahin gefragt.