Nach der Attacke auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbour am 7. Dezember 1941 erobern japanische Truppen innerhalb weniger Monate einen großen Teil der Pazifikregion: Sie annektieren Tausende von Inseln und Atollen, nehmen die Philippinen und den indonesischen Archipel ein, besetzen die wichtigen alliierten Stützpunkte Hongkong und Singapur, bombardieren sogar den Norden Australiens. Im August 1942 beginnen die USA mit dem Gegenangriff: auf der Südseeinsel Guadalcanal

 

Nebelbänke liegen über dem Pazifik. Tagelang umhüllen Anfang August 1942 Regenwolken die Inselkette der Salomonen. Die Aufklärungsflugzeuge der Japaner, die die tropischen Eilande nördlich von Australien besetzt halten, bleiben deshalb am Boden.

In der Nacht zum 7. August aber klart es auf über dem Meer vor Guadalcanal, einer knapp 150 Kilometer langen, von Flüssen, Rinnsalen und Sümpfen durchzogenen Insel. Als sich die Wolkenwände teilen, zieht eine Flotte der US Navy um das Nordwestkap des Eilandes.

Acht Schlachtkreuzer, 14 Zerstörer, fünf Minensuchboote und mehr als zwei Dutzend Transporter bewegen sich mit zwölf Knoten (22 km/h) durch die See.

Funkstille herrscht zwischen den Schiffen. Einzig die Bugwellen sind an Deck zu hören. Alle Lichter sind gelöscht, Zigaretten dürfen nicht angezündet werden. Unter Deck weisen nur rot glimmende Leuchten den Weg.

Der „Dog Day“ hat begonnen, der Tag der Offensive gegen das japanische Imperium, die erste pazifische Invasion der US Navy in diesem Krieg - acht Monate nach Japans Attacke auf Pearl Harbour.

Um 3.30 Uhr Ortszeit werden die Marines wach geläutet. Die meisten der mehr als 11000 Soldaten sind nicht einmal 21 Jahre alt. Viele haben sich freiwillig gemeldet. „Ich will nur Japaner töten, das ist alles“, erzählt ein Marine dem Kriegsreporter Richard Tregaskis, der mit an Bord ist.

Zum Frühstück essen die Soldaten Steaks, hören eine aufmunternde Rede von US-Präsident Franklin D. Roosevelt und versammeln sich dann an Deck.

Manche schleifen Bajonette. Schweigend suchen andere mit Feldstechern die Insel nach militärischen Stellungen ab. Doch im Dunkel erkennen sie allenfalls die bizarre Berglandschaft einer Inselwelt, für die es nur veraltete und ungenaue Landkarten gibt. Von ihrem Einsatz haben die Marines erst vor einigen Tagen erfahren.

Auf der Kommandobrücke vermuten die Offiziere, dass Tausende japanischer Kämpfer Guadalcanal besetzt halten. Denn auf der Insel wird eine strategisch wichtige Landebahn errichtet; sobald die fertiggestellt ist, so fürchten die US-Militärs, können die Japaner mit Flugzeugen den Seeweg zwischen Australien und den USA bedrohen - und wären zudem dem Fünften Kontinent gefährlich nah. Für die Landung am Vormittag erwarten die Kommandeure deshalb ein verlustreiches Gefecht.

Warum aber feuern die Japaner nicht? Wolllen sie die Marines in eine Falle locken und abwarten, bis die sich an Land in Sicherheit wähnen?

 

... die ganze Geschichte in GEO Epoche Nr. 43

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