Einige Reporterinnen und Reporter treten auf einer Bühne gegeneinander an: Sie erzählen von ihrer lustigsten Recherche. Anschließend stimmt das Publikum über die beste Story ab. Ein drolliges Vorhaben? Ja, aber auch komisch und notwendig

Nichts bleibt wie es ist. Im Alltag ist das so und im Berufsleben ohnehin. Immerzu entwickeln sich neue Formate. Eine der neuesten journalistischen Spielformen nennt sich Reporter Slam, offenbar ein Ableger des Science Slams, der wiederum ein Kind des Poetry Slams sein dürfte. Beim Reporter Slam stehen Journalisten auf der Bühne und berichten von einer besonderen Recherche, die in diesem Fall natürlich gerne unterhaltsam, mithin lustig sein darf.

Wovon also erzählen? Von meiner Tramptour über den Balkan? Die ließe sich gut bebildern. Oder von einer Recherche in der Dortmunder Nordstadt? Dürfte vermutlich zu ernst sein. Auch wenn ich die Nordstadt im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht als hoffnungsloses Notstandsgebiet ansehe. Aber das ist ein anderes Thema.

Auf der Bühne habe ich dann von einer Geschichte aus Ghana erzählt, die sich für mich bis heute in Form bizarrer Nachrichten fortspinnt, was an dieser Stelle nicht ausgeführt wird. Man hätte halt in der Moritzbastei in Leipzig dabei sein müssen. Dort habe ich einige Nachrichten aus der Rubrik Hate Poetry (noch so ein Ableger des Poetry Slams) vorgelesen.

In der Geschichte ging es um ein ziemlich ungewöhnliches und durchaus schräges Hotel: das Rising Phoenix in Accra. Ein Ort, an dem sich all diejenigen treffen, die es sonst nirgends mehr aushalten: der Goldminenbesitzer Tariq aus den Arabischen Emiraten, der Schlangenhändler Jeff aus den USA, der einstige Boxer und heutige Türsteher Agompion, der in Old Accra noch immer von seinen Fans erkannt wird, ferner Rastafaris und Akrobaten. Und natürlich der Besitzer, ein Engländer, der zehn Jahre lang bei Baghwan lebte und nun von einem Hotel träumt, an dem Menschen aus Afrika, Europa und Indien ein Stück weit der Erleuchtung näher kommen sollen.

Ich hatte Fotos dabei, an denen ich mich während des Vortrags entlanghangeln konnte, was recht hilfreich war. Denn auf einer Bühne befindet sich ein Printjournalist nun einmal nicht in seinem alltäglichen Habitat. Wie alle Slammer hatte ich genau zehn Minuten Zeit, dann drückte jemand im Publikum auf eine Tröte. Aus, Schluss, geschafft!

Besten Dank an Jochen Markett von realsatire.de für die Einladung und an Andi Weiland für das Foto. Vielleicht etabliert sich das Format ja tatsächlich bundesweit als regelmäßiges Event. Es ist sicher nicht die schlechteste Idee in Zeiten, in denen man Lügenpresse-Schreiern etwas entgegnen muss.