Man muss schon genau hinschauen: Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass es sich bei den Thomas Wredes Fotografien um sorgfältig inszenierte Miniaturlandschaften handelt. Wie ich den Künstler kennenlernte.

Im Mai 2011 recherchierte ich für ein Porträt des Konzeptkünstlers Ruppe Koselleck, der mit einer ausgefallenen Idee die Übernahme des Ölmultis BP betreibt. Ich besuchte ihn in seinem Atelier, das in einem Speichergebäude am Münsteraner Stadthafen liegt.

Mehrere Künstler haben dort ihre Ateliers. Ich war von Koselleck so angetan, dass ich wissen wollte, welche anderen "Aktivisten" es in der Ateliergemeinschaft gebe, möglichst politische. Ich glaubte, dass man über Künstler, die einen gesellschaftspolitischen Anspruch verfolgen besonders schreiben könne.

Sie betreiben keine l'art pour l'art, sondern müssen eine künstlerische Strategie verfolgen, um etwas in der Gesellschaft zu verändern. Und wer etwas verändern will, der hat eine Geschichte zu erzählen. So stellte ich mir das vor.

Ruppe Koselleck führte mich also im Speichergebäude herum. Es war nicht viel los, aber ich lernte Thomas Wrede kennen. In seinem Atelier standen lauter Spielzeuge von Modelleisenbahnen herum, an den Wänden hingen hyperrealistische Fotografien von Landschaften, die es so eigentlich nicht geben konnte.

Offenbar war Wrede kein politischer Künstler, zumindest nicht vordergründig. Aber Wredes Bilder - es handelt sich um eine Art von Miniaturlandschaften - begeisterten mich, und auch eine gewisse Unsicherheit des Künstlers empfand ich als fast schon rührend und einnehmend. Man hört ihm zu, ist still, schaut, fragt wieder nach - etwa, warum auf einer Folie Tausende bebeizte Streichhölzer liegen.

Wrede erzählte von Vorbereitungen für eine neue Fotografie, von Skizzen und Modellen und monatelangen Überlegungen. Alles für eine Fotografie. Welch eine Detailversessenheit, dachte ich, auch das ist doch eine Geschichte.

Erschienen ist meine Reportage im Magazin mare No. 96; auf mare.de findet sich Textauszug von Nach der Katastrophe.