Kein anderer Planet hat ein derart auffälliges Ringsystem, keiner einen Mond, der so sehr der Ur-Erde ähnelt. Seine Stürme sind tausendfach energiereicher als auf der Erde, und im Innern enthält er metallischen Wasserstoff. Der Saturn ist sicher der schönste aller Planeten - und voller Rätsel


Als die Raumsonde „Cassini“ im Juni 2004 nach siebenjähriger Reise auf den Saturn zusteuert, kreisen die Eisringe gerade in einer schrägen Stellung zur Richtung des Sonnenlichts um den Planeten und teilen ihn deshalb in zwei Welten: Sie verschatten die Nordhalbkugel nahezu gänzlich. Nur durch eine schmale Lücke in den Ringen glänzt von unten noch die Sonne und lässt eine ozeanblaue Lichtspur am Winterhimmel aufschimmern.

Auf der Südhalbkugel, wo Sommer herrscht, rotieren gewaltige Wolkenmassen. Zwei Stürme wühlen bereits seit Wochen die Atmosphäre auf, jeder misst 1000 Kilometer von Ost nach West. Aus Cassinis ferner Position wirken sie wie dunkle Löcher in einer sandfarben marmorierten Murmel.

Nach und nach sichtet die Sonde erste Monde des Saturns: den geheimnisvoll verhüllten Titan, die kleineren Trabanten Dione und Mimas, den blendend weiß strahlenden Enceladus.

Die Kundschafterin erfasst die fernen Objekte mit ihren Sensoren, Antennen und Kameras. Die Messfühler solcher Sonden sind gleichsam in den Weltraum verlängerte Sinnesorgane des Menschen: künstliche Augen, Ohren und Nasen des Homo sapiens, die Botschaften aus Milliarden von Kilometern Entfernung auf die heimische Erde holen und eine Erkundung in den Abgründen des Alls zulassen, ohne dass ein Astronaut den Blauen Planeten verlassen muss.

Cassini ist eine der modernsten und größten dieser Sonden. Sie soll als bisher erdfernster Satellit auf einer festen Umlaufbahn um den Saturn installiert werden, als einsamer Außenposten der Wissenschaft. An einem Ort, der knapp zehnmal so weit von der Sonne entfernt ist wie die Erde.

Am Abend des 30. Juni 2004 nähert sich die Sonde dem Giganten aus Gas. Mit 21000 km/h rast sie auf ihn zu, stetig von dessen Schwerkraft beschleunigt. Dann beginnt das problematischste Manöver der Mission: Die Sonde muss sich vom Schwerefeld des Saturns einfangen lassen, um ihn fortan als Satellit umrunden zu können.

Cassini dreht sich, ihr Haupttriebwerk weist in Flugrichtung: dann beginnt es zu feuern. 96 Minuten lang wird so der Flug abgebremst - auf einem Kurs, der so nah wie sonst nie wieder am Saturn vorbeiführt. Das Manöver ist heikel: Die Sonde könnte mit unbekannten Mini-Monden kollidieren oder in den Planeten stürzen und verglühen.

Gelingt das Vorhaben, dann wird Cassini die fantastische Gaswelt des Saturns auf allen Winkeln und Abständen erkunden, die komplexen Ringe studieren, die bizarren Eismonde erforschen.

Und sie wird ein kleines Landgerät namens „Huygens“ zu einem der faszinierndsten Trabanten des Sonnensystems schicken: dem Titan. Die Atmosphäre des von einem undurchsichtigen Schleier verhüllten Saturnmonds scheint der unseres Heimatplaneten verblüffend zu ähneln - einer Atmosphäre, wie sie vor mehreren Jahrmilliarden auf der Erde existiert hat. Vielleicht lässt sich dort erahnen, unter welchen Bedingungen das Leben einst entstanden ist. ...

 

... die ganze Geschichte in GEOkompakt Nr. 21

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